Ein neues Infrastrukturprojekt entlang der Wittener Straße, direkt über den verfüllten Tälern des Bochumer Stadtgebiets: Der Tunnelvortrieb trifft hier auf kohäsionslose Sande und schluffige Auelehme, die schon bei geringer Wasserzufuhr ihre Standfestigkeit verlieren. Bochum mit seinen rund 370.000 Einwohnern liegt geologisch im Übergang zwischen den Festgesteinen des Rheinischen Schiefergebirges und den mächtigen Lockergesteinsdecken des Münsterländer Beckens – eine Konstellation, die ohne detaillierte Laboranalyse kein realistisches Vortriebskonzept zulässt. Unser Labor untersucht die undränierten Scherparameter und das Verformungsverhalten des Bochumer Untergrunds, bevor die erste Tunnelbohrmaschine anrollt. Ergänzend zur Baugrunderkundung hilft die Korngrößenanalyse den Feinanteil und damit die Kohäsion des Bodens präzise zu bestimmen, was direkt in die Ortsbruststützung einfließt.
Im Bochumer Lockergestein entscheidet der Porenwasserdruck über die Ortsbruststabilität – unsere Analyse modelliert diesen Parameter, bevor die erste Setzungsmessung erfolgt.
Lokale Besonderheiten
Die DIN 4124 für Baugruben und Gräben sowie die ZTV-ING für Ingenieurbauwerke bilden den Rahmen für den Tunnelbau in Bochum. Die größte Herausforderung im Stadtgebiet sind die inhomogenen, wasserführenden Quartärablagerungen, die bei unzureichender Erkundung zu einem hydraulischen Grundbruch an der Ortsbrust führen können. Ein plötzlicher Materialeinbruch ist hier keine theoretische Gefahr, sondern ein Szenario, das wir durch die realitätsnahe Modellierung der effektiven Spannungen ausschließen. Unsere geotechnische Analyse definiert die sicheren Grenzdrücke für jede Homogenzone, sodass die Setzungen an der Tagesoberfläche im einstelligen Millimeterbereich bleiben und die historische Bausubstanz der Innenstadt unversehrt bleibt.
Geltende Normen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 4124:2012-01 (Baugruben und Gräben – Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten), ZTV-ING, Teil 5 (Tunnelbau), DIN 18312:2019-09 (VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Untertagebauarbeiten), DIN EN ISO 17892 (Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Laborversuche an Bodenproben)